Ein Schwabe auf Bali

Interview mit Michael Hagenmayer

Carmen Navarro
Expat Stories
Michael Hagenmeyer mit seiner Ehefrau auf Bali
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Die Auswanderung nach Bali klingt für viele nach Traum: Sonne, Surfen, Freiheit. Doch wie fühlt es sich wirklich an? Vor allem, wenn man mitten in einer globalen Krise den Schritt wagt?
In diesem Interview erzählt ein deutscher Profimusiker, wie er während der Pandemie mit vier Koffern nach Indonesien auswanderte, was ihn dort erwartet hat – und warum sein Leben heute zwischen Bali und einer abgelegenen Insel pendelt.

Wie war die Auswanderung nach Bali während der Covid-Pandemie?

Das war natürlich spannend. Ich bin aus dem Stuttgarter Raum Ende 2021 ausgewandert, als Profimusiker mit vier Koffern in Jakarta angekommen, fast ausschließlich Gitarren und Studio-Equipment, ganz wenig Klamotten. Nur drei Leute im ganzen Flieger. Dann wurde ich quasi abgeführt in ein Flughafenhotel, in dem ich zehn Tage wie in einem Gefängnis zur Quarantäne ein Einzelzimmer hüten musste.

Ich habe das buchstäblich ausgesessen, hatte zwei Gitarren, meinen iMac, gutes WLAN und einen Kühlschrank voller Bier. Nachdem alle meine Corona-Tests zeitlebens negativ waren, durfte ich gehen und ließ mich zunächst auf der Insel Flores wieder, dem Tor zum Komodo-Archipel. Ein Paradies! Nach einiger Zeit bin ich dennoch nach Bali gezogen.

Corona war für mich die beste Zeit jemals auf der Insel, auch wenn die Locals natürlich zu kämpfen hatten. Ich war ja einer der ganz wenigen Westler hier und erlebte ein traumhaft ruhiges Bali wie vor 50 Jahren vielleicht.

Wie kommst du mit den Touristenströmen zurecht, mit den Influencern und dem Verkehrschaos?

Ich lebe heute abwechselnd absolut abgeschieden und ruhig auf der Insel Timor, von der meine indonesische Ehefrau stammt. Kein anderer Weißer im Umkreis von sechs Autostunden. Traumstrände und Farmleben.
Und wenn uns die Decke auf den Kopf fällt, fliegen wir immer wieder für einige Wochen nach Bali, wo wir beide ja Jahre verbrachten, viele junge Verwandte haben und gerade einen Zweitwohnsitz bauen.

Mit dem Straßenverkehr komme ich zurecht, ist ja nicht überall schlimm auf Bali. Und die Touristen bringen natürlich eine Menge Infrastruktur, die ich auf Timor zeitweise vermisse: Ein Schweinshaxen mit Weißbier um 3:00 Uhr morgens ist auf Bali kein Problem. Und der Lifestyle ist einfach klasse, absolut entspannt. Sport, Natur und Kultur auf der ganzen Insel sensationell.

Wie gelingt es, sich auf Bali auch mit den Einheimischen zu vernetzen und sich zu integrieren?

Man wird als Westler immer ein Außenseiter sein, die kulturellen Unterschiede sind einfach zu groß. Es ist aber dennoch möglich und sogar relativ einfach, sich einen Freundeskreis mit Einheimischen aufzubauen, denn sie sind durch die Bank supernett und kontaktfreudig, und sie sprechen alle sehr gerne Englisch.

Wenn man dann als Gast gar einige Brocken Indonesisch sprechen kann, sind sie stolz wie Bolle. Tatsächlich gibt es ja auch viele gemischte Paare. Ich selbst habe dadurch natürlich den Zugang zu einem großen Familiennetzwerk. Und dieses Jahr erwarten wir sogar noch eigenen Nachwuchs ...

Wie wirkt sich die Auswanderung langfristig auf die Beziehungen in der alten Heimat aus, zur Familie und alten Freunden?

Für mich persönlich unproblematisch, dank Videocalls und Chatgruppen ist die Verbindung nach wie vor gegeben. Und ich versuche, gemeinsam mit meiner Frau einmal im Jahr einen Urlaub in Deutschland zu verbringen und dann jeweils auch ein paar benachbarte Länder zu bereisen.

Du bist gerade am Bauen, wie läuft das so?

Ausländer dürfen auf Bali kein Land kaufen, bei mir geht das auch nur durch meine Ehefrau. Aber man kann natürlich eine Langzeitmiete abschließen, LeaseHold, das machen viele. Oder ein Haus oder eine Wohnung mieten. Als Schwabe 'besitze' ich mein Haus lieber. Unsere Baugesellschaft ist aus Timor, sie hat auch unser Haus dort bereits gebaut.

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Demnächst


Bali ist inzwischen ein teures Stückchen Erde. Bauland auf meiner anderen Heimatinsel Timor ist da wesentlich günstiger. Doch Bali wird wohl irgendwann mein Altersruhesitz, einfach wegen der optimalen Versorgung hier. Best of both worlds, Island-Hopping-Lifestyle.


Ich freue mich dennoch jedes Mal auf ausgesprochen ruhige Wochen auf Timor, da finde ich die Muse, um in meinem Tonstudio neue Musik zu produzieren, und gerade habe ich auch ein äußerst humorvolles Buch geschrieben über meine Auswanderung und meine vielen Erlebnisse und Abenteuer hier.

Der Titel steht schon fest: "Bali, Blues & Butterbrezel", ganz wie es sich für die Auswanderung eines schwäbischen Musikers eben gehört. Vielleicht finde ich ja einen Verlag dafür, ansonsten Selfpublishing. Seid gespannt.

Wir danken für das erfrischende Interview!
Weitere News zu Michael Hagenmeyer gibt es unter
www.hagenmayer.com

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